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Melina bei der Gedenkfeier des Ersten Weltkriegs

Berlin, Plötzensee Memorial
Samstag 17 November 2018

Guten Tag Ihnen allen,

Meine Name ist Melina Dzelovic. Ich Komme aus Sarajevo in Bosnien-Herzegovina. Ich fühle mich geehr, heute zu Ihnen reden zu dûrfen. Ich bin studierte Psychologin, arbeite jedoch als Projektmanagerin in der NGO « Education builds B&H ».
Diese kümmert sich um Kinder und junge Opfer des Krieges, der vor 23 Jahren in meinem Land stattfand, aber Auch um andere Gruppen von Kindern und Jungendlichen, die in unserer Geselischaft diskriminiert werden.

Meine Teilnahme an diesem Projekt der Summer Peace School begann im Sommer 2014, als wir mit diesem grossartigen Projekt in Sarajevo begannen.
Anfangs war ich aufgeregt, Menschen in meinem Alter aus Europa kennenzulernen, die Möglichkeit zu reisen, andere Länder und deren Geschichten kennenzulernen. Aber Auch Erfahrungen und Meinungen mit anderen auszutauschen. Unsere Kenntnisse über den Ersten Weltkrieg beschränkten sich auf das Wissen aus unserem Schulunterricht. Aber um ein Verständnis für die Opfer zu haben und die schrecklichen Konsequenzen eines solchen Konflikts, brauchten wir keinen Schulunterricht, da wir es selber erlebten.
Durch die Peace School hatten wir die Möglichkeit mehr über die Erfahrung der Überlenden zu lernen, zu erfahren, wie sie mit ihren Traumatisierungen umgehen, aber dennoch der Welt etwas Schönes, Edles und Mehrwertiges anbieten wollen.

Künstlerische Ausdrucksweisen, wie Tanz, Theater, Poesie, halfen uns zu verstehrn, was vor 100 Jahren übrig blieb. Am Anfang des Projektes, war ich sehr skeptisch, dass wir irgendetwas erreichen würden. Es war notwendig jungen Teilnehmenden zu erzählen, dass es nicht sinnlos ist, über Geschehnisse des vergangen Jahrhunderts zu diskutieren. Schliesslich ist die Geschichte am Ende uns allen eine Lehre. Wir müssen uns tiefgründig mit der Geschichte auseinandersetzen, um die Möglichkeit zu haben, uns der Gegenwart zu stellen.
Leider leben wir in einer Welt voller Konflikte und Menschenrechtsverletzungen. Jeden Tag werden wir Zeugen von schrecklichen Gewalttaten, die auf der gesamten Welt stattfinden. So gerne ich auch sagen wollte, dass wir aufhören, es stoppen müssen, fürchte ich, dass es nicht in unserer Hand liegt.
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Wenn ich aber sage, dass wir an den Beziehungen zu jenen in unserem direkten Umfeld arbeiten müssen, uns um jene um uns herum kümmern müssen, mit jenen wir zusammen leben, arbeiten, die Stadt, Strässen, und Gebaüde teilen, dann denke ich, dass es eine Aufgabe ist, die nicht unmöglich ist. Das ist genau das, war wir aus dem Projekt der Summer Peace School mitgenommenen haben und was wir in der Organisation « Education builds B&H » versuchen jungen Menschen nahezubringen. Achtsamkeit gegenüber ihrem Umfeld; Familien, Freuden, Nachbarn – die Bereitschaft zu haben, für andere einzustehen.

Ich denke, ich spreche im Namen jedes Teilnehmenden, dass wir dieses Projekt mit einem Sack voll neuer Erfahrungen; vielen neu erlernten Dingen; Menschen aus unterschiedlischsten Ländern, die wir nun unsere Freunde nennen können; beenden werden. Wir freuen uns, diese neuen Freundschaften in der Zukunft aufrecht zu erhalten.
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Es war mir eine Ehre seit Beginn des Projekts im Juni 2014 dabei gewesen zu sein. Wissen über die Vergangenheit und persönliche Erfahrungen ausgetauscht zu haben. Menschen getroffen zu haben, die migrieren, flüchten und andere, die auch ähnliche schrecklichen Erfahrungen machten. Ich denke, jede und jeder von uns konnte etwas aus dem Projekt mitnehmen – auch wenn man nur an einer Summer Peace School teilnahm.

Ich glaube, dass wir durch unser gemeinsames Ziel, die Kraft aufwenden können, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Ich möchte betonen, dass diese Art des Autauschs, der Autausch junger Menschen, sehr notwendig ist, besonders für unser Land. Da es eine aussergewöhnliche Erfahrung ist, die Möglichkeit zu haben, Menschen aus anderen Ländern kennenzulernen, diese anderen Länder zu bereisen und Orte zu besuchen, an denen wichtige historische Ereignisse stattfanden.

Die Organisation « Education builds B&H » ist sehr stolz, Teil dieses Projekts gewesen zu sein. Aber Auch ich und jedes andere Mitglied der Gruppe aus Bosnien und Herzegowina ist dankbar.

Ein letztes Mal, vielen Dank at jede Personen, die durch vielseitigen Einsatz beigetragen haben. Selt 2014 bis zum heutigen Tage das Projekt aufzubauen und durchzuführen und dadurch jungen Menschen sehr wichtige Erfahrungen ermöglicht haben.

Lire le texte en français: Lettre_Melina_Dzelovic
Read the text in English: letter Melina

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maschathierrycyrille

Begrüssung in der Kathedrale von Chambéry am 3.August 2018

Willkommen heute abend in der grossen Familie VoCE 2014 – 2018, erweitert dies Jahr durch das Festival des Nuits d’Eté.

Wir dürfen heute abend besonders begrüssen
Sie, Pani Kozinska-Frybes, Generalkonsulin der Republik Polen, die Damen und Herren Abgeordneten der Region Auvergne-Rhône-Alpes, des Département Savoyen und der Stadt Chambéry.
Ich darf den Bürgermeister von Chambéry entschuldigen, M. Michel Dantin MPE, und insbesondere Monseigneur Philippe Ballot, Erzbischof von Chambéry, der gerne uns heute in seinem Sitz empfangen hätte.

Liebe Freunde,

die Singenden, die Sie heute abend hören werden, ebenso wie die jungen Erwachsenen der VoCE Summer Peace School, denen Sie vor der Kathedrale begegnen, reisten aus Rumänien, Ungarn, Bosnien-Herzegovina, Polen, Deutschland, Belgien und Frankreich hier an.

Im fünften Jahr nun besuchen sie sich in ihren jeweiligen Ländern. Die gemeinsame Erinnerung an die Jahre des Grossen Bruderkrieges 1914-1918 stärkten ihre Zugehörigkeit innerhalb Europas für Heute und Morgen. VoCE, « Voix et Chemins d’Europe », « Stimmen und Wege in Europa », so nannten wir unser Vorhaben.

2018 ist das Jahr der Gedenken an die Wege aus dem Krieg – so verschiedene !
- die Nationen in Westeuropa feiern den Sieg und meditieren die ihm gebrachten Opfer,
- Deutschland fürchtet seine Erinnerungen,
- Mittel- und Südosteuropa schwelgt in den Freuden der nationalen Wiedergeburten von damals, aber seine Staaten müssen noch heute Wege aus den beiläufigen  Widersprüchen des Nationalitätenprinzips  finden.

Diese versprengten Erinnerungen begleiteten auch uns auf unseren Wegen durch Europa seit 2014. Unser grosses Glück dabei waren die jungen Frauen und Männer aus Bosnien-Herzegovina unter uns. Die nämlich, in ihren schieren Existenzen vom Krieg geprägt, zeigten das Wesentliche und sammelten uns immer wieder:
der Konkurrenz der Erinnerungen setzten sie die gemeinsame Erinnerung des Willens zum Leben entgegen, die Erinnerung der Hoffnung.
Sie skizzierten mit uns die Erinnerungen an den Glauben an die Zukunft, gezogen aus dem unerschöpflichen, nie auszutrocknendem,  Reservoir  des Wunsches nach Menschlichkeit.
repe2Foto J.P. Dupraz
Erinnerungen an Menschlichkeit, die uns Europäern noch helfen werden auf den unsicheren Wegen unserer Zivilisation. Das haben wir gesichert gelernt in diesen fünf Jahren.
Und wir können dem französischen Komponisten Thierry Machuel nicht genug dafür danken, dass er unsere Wege in sich aufgenommen und zu Musik gemacht hat, und heute abend bei uns ist.

Und wir haben denen zu danken, die uns gefolgt sind, Einige zu dieser Begegnung hier in Savoyen, Einige von Anfang an.
Ich möchte zuallererst der Stadt Chambéry für ihre Begeisterung für unsere Projekt hier bei ihr danken.
Ich möchte der Region Auvergne-Rhône-Alpes , der Stiftung Hippocrène, dem Département Savoyen und der Universität Savoie-Montblanc danken für die Unterstützung von VoCE 2018, hier in Savoyen und in Berlin.
Ich möchte der französischen Mission du Centenaire, dem DFJW, der Alfred-Toepfer-Stiftung/FvS, und vor allem dem Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland danken für ihr jahrelanges Vertrauen.

In erster Linie aber stehen alle Protagonisten von VoCE 2014-2018 in den sieben Ländern, ohne deren vielseitigen, auch finanziellen, Einsatz wir nicht einen einzigen Schritt vor den anderen gesetzt hätten.
All denen und deshalb auch Ihnen, liebe Freunde heute abend, gehört unsere grosse dankende Anerkennung.

Cyrille Colombier, Chorleiter, Künstlerischer Leiter von VoCE 2014 – 2018 und Präsident des Festival des Nuits d’Eté, ebenso wir der Komponist Thierry Machuel werden sich nun an Sie wenden.

Mascha Join-Lambert
3 août 2018

Viel Musik, viel Freundschaft, viel Natur

Artikel von Mascha Join-Lambert veröffentlicht in der Allegemeine Deutsche Zeitung, Bukarest, 22 september 2017

GruppeBei gemeinsamen Ausflügen, auch mit dem Pferdewagen, wurde die Freundschaft zwischen den Jugendlichen gefestigt. Foto: Gabriele Nagel

Das Projekt VoCE 2014-2018 erinnert seit 2014 mit einer jährlichen Begegnung von acht Chören aus sieben europäischen Ländern und einer Friedensschule daran, dass seit dem Ersten Weltkrieg 100 Jahre vergangen sind. In diesem Jahr haben sich die Chöre in der zweiten Augusthälfte in Klausenburg/Cluj getroffen und haben an mehreren öffentlichen Plätzen in der Stadt und auch in einem Konzert in der Aula Magna der Universität Babes-Bolyai gesungen. Doch zu dem VoCE Projekt gehört neben Begegnungen von Amateursängern auch der Austausch unter jungen Erwachsenen. Nach dem Chortreffen in Klausenburg waren zum ersten Mal junge Erwachsene aus Deutsch-Weißkirch/Viscri im Repser Land Gastgeber, nachdem sie im Mai schon am fünften Austausch in Frankreich, auf den Stätten der Schlachten an der Somme teilgenommen hatten. Sie bilden den aktiven Nachwuchs des Vereins „Viscri Începe“, betreut von ihrer Sozialpädagogin Tina Bing.

Den anderen 20 Teilnehmenden aus Polen, Deutschland und Frankreich wollten sie ihr Land und ihr Leben zeigen: ihren Jugendclub und ihre Tänze, die mittelalterliche Kirchenburg in Deutsch-Weißkirch und die nahe Stadt Reps/Rupea, die Schäferei auf den Hügeln neben dem Dorf. Der Höhepunkt aber war ein Abend zu Gast in verschiedenen Familien in Deutsch-Weißkirch. Für all die jungen Großstädter aus dem Ausland war das ein Eintauchen in eine andere Welt, welches helfen dürfte, die Vorurteile Rumänien gegenüber zu vermindern. Natürlich gab es auch formelle Aufgabenstellungen zu Vorbeugung und Überwindung von Gewalt, mit Gruppenarbeiten und im Ergebnis für die Bewohner von Deutsch-Weißkirch eine Fotoausstellung und eine Vorstellung aus Wort und Tanz, inspiriert von den Berliner Künstlerinnen Gabriele Nagel und Astrid Rashed.

Für die Veranstalter der Friedensschule war die schönste Bestätigung die Freundlichkeit, mit der etwa die dunkelhäutigen Teilnehmenden aus Frankreich empfangen wurden: Da wurden „Selfies“ mit ihnen auf dem Markt in Reps gemacht, da war die große Erleichterung am Ende, die einer von ihnen in die Worte fasste: „Ich kam hierher im Rahmen meines persönlichen Entwicklungsprojektes  und unerwartet habe ich obendrein Freundschaft gefunden!“ Unterstützt wird das Projekt VoCE 2014-2018 vom Deutsch-Französischen Jugendwerk, Partner für die diesjährigen Veranstaltungen waren der Volksbund/Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Chor Visszhang aus Klausenburg, der Verein „Viscri Începe“. 2018 gibt es ein Wiedersehen in Savoyen und in Berlin.

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Ausblick auf 2018

Als ich die fast 200 Singenden die Bühne erklettern beobachtete, in Cluj alias Koloszar alias Klausenburg in Transylvanien, Rumänien, vor gerade ein paar Wochen, sprang es mir ins Auge: diese VoCE2014-2018 – geschichte ist eine Geschichte von Vertrauen. Keiner dieser Dirigenten kannte sich noch vor ein paar Jahren. Zuerst war es einer, dann zwei, heute acht, die ihre Chormitglieder aus sieben Ländern mit uns durch Europa ziehen.
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Bringt Musik einen Mehrwert für die Erinnerung an 1918, das Jahr, in dem der Krieg schließlich die Waffen streckte? [1]
Zusammen singen, fünf Jahre lang, beieinander Gast sein – eine Schule des Vertrauens?
Möglicherweise nur eine nette Illusion.

Heute in Europa: da sind Länder, deren Bürger nicht mehr zusammen leben wollen, gerade handgreiflich zu betrachten in Spanien. Welch ein Energieverschleiss, so scheint es uns. Und in Rumänien waren wir Zeugen der Verbalkanönchen zwischen der ungarischen Minderheit und der rumänischen Mehrheit. Man konnte sich ausmalen, was am 1. Dezember 2018 zu hören sein wird, wenn Rumänien stolz seinen Nationaltag feiern wird, der an den Ausgang des Referendum in 1918 erinnert, mit dem Transylvanien Rumänien zugesprochen wurde – ein Feiertag, der gerne vergißt, dass auch für die seit damals minderheitlichen Ungarn dort ihre Heimat ist, ebenfalls seit 1000 Jahren. Auch Ungarn zieht schon alle Register dem Nachbarn gegenüber. Hier wird 2018 die Musik eher gegeneinander spielen.
Nein, Vertrauen ist an der Quelle schon vergiftet, wenn man Zukunft im Brunnen der alten Konflikte schöpfen will.

Heute in Europa: da sind Länder, die Reparationen von Deutschland verlangen, weil sie keine andere Möglichkeit erkennen, von dem Land der Ewig Klassenbesten und Wandelnden Grundsatzreferate respektiert zu werden – und dies trotz jahrzehntelanger echter Mühen um Ausgleich und Versöhnung.
Nein, Vertrauen kann nur bei Pflege der Lust auf Ent  -  deckung lebendig bleiben: bei den einen, dass sie mehr sind als die stets Schuldigen, bei den anderen, wie sehr Erinnerung sie schmerzt.

Was also können wir ausrichten?

Aber ja, gemeinsam singen ist eine Schule zu geschwisterlichem Vertrauen, denn die freie Muse verteilte die Geschenke der Begabung und Beglückung ohne Rücksicht auf Vorrechte jedweder Sorte. Ein deutsches Sprichwort sagt: „Wo man singt, da laß Dich ruhig nieder“. Dazu wird uns Savoyen im Sommer 2018 einladen: Sitzen im Grünen und am Wasser, Schweigen, Hören, Denken, Singen, Reden, Tanzen…und danach werden wir das Vertrauen von Europäern nach Berlin tragen, im November 2018.

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Mascha Join-Lambert

 

[1] Auf französisch reden wir nicht von « dem  Ende » des Kriege, sondern von „den Wegen aus dem Krieg“