Brief des Präsidentes

Chambéry, im Oktober 2014

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Freunde,

Zu Beginn dieses Jahres hatten Sie sich für unseren „Aufruf für eine europäische Erinnerungskultur an den Grossen Krieg“ interessiert, und es ist an der Zeit, Ihnen Rückmeldung zu geben.

Das Echo in der Presse entsprach nicht unseren Hoffnungen (nur die Süddeutsche brachte einen Artikel), aber die Verbände Volksbund und Deutsch-Französische Vereine (FAFA) nahmen ihn in ihre Medien auf. Von der politischen Ebene erhielten wir Ermutigungen aus dem Bundestag und den Ländern Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. So rechnen wir damit, dass weitere Gesten gemeinsamer Gedenkkultur in europäischen Ländern entstehen werden.

Unser Aufruf ging von Bürgern der Region Rhône-Alpes aus, die gleichzeitig die Initiative VoCE 2014 – 2018 ins Leben riefen.  Unter dem Impuls von Mascha-Join-Lambert  gründeten Gleichgesinnte  aus Frankreich, Deutschland und  Polen einen Trägerverein.  Er  zeichnet einen europäischen künstlerischen und pädagogischen Wanderweg für Jugendliche und Erwachsene vor, für Chorsingen, Tanz, Theater….von 2014 – 2018.  Galt der Winter 13/14 einigen Vorbereitungsreisen (Brügge, zum Ensemble Vocal Gent von Philippe Herreweghe; Ypern, Berlin…), so sah dieser Sommer 2014  unsere ersten Schritte in Sarajevo und Lyon.

Sommer 2014 : Singen für die, die ihre Stimme verloren hatten – Tanzen für die, deren Lebensträume wir weiterträumen

25 junge Erwachsene aus Frankreich, Deutschland, Polen und Bosnien konnten sich im Juni Sarajevo kennenlernen und im Juli in Lyon eine weitere Woche lang  eine Choreographie einstudieren. Junge Tänzer mit der Kultur des street-dance  aus der Gegend von Lyon leiteten sie dabei an.  Gleichzeitig hatten sie in beiden Städten Gelegenheiten zu Begegnungen mit  Persönlichkeiten  und Akteuren der Geschichte, und konnten an den Veranstaltungen des Peace Event in Sarajevo und der Dialogues en Humanité in Lyon teilnehmen. Heute haben sich aus jedem Land Teilnehmende gefunden, um gemeinsam die Fortführung dieser „Peace Summer Schools“  in die Hand zu nehmen.

Gleichzeitig machten sich die Chöre auf den Weg. Anfang Juli reisten Delegationen der Chöre „Pontanima“ und „Korona“ aus Sarajevo, sowie des Universitätschores Louvain-La-Neuve aus Belgien nach Frankreich, wo das „ensemble 20.21“   und   „VOCALAM“  sie in Savoyen  empfingen. Während der Dialogues en Humanité in Lyon  regten sie Musikwerkstätten an.

Als am 5. Juli in Lyon, auf der Insel des Sees im Parc de la Tête d’Or, „Ile du Souvenir“, wo  die Namen der 10600 Gefallenen aus Lyon bewahrt werden,  die Chöre sangen und die Jugend tanzte,  nahm unser großes Vorhaben seinen Aufschwung. Zwischen den hohen Bäumen stieg die Musik in die Luft, die Sonne glitzerte weit auf dem Wasser. Die Stimmen und Träume  der Menschen von damal, denen das Leben verwehrt war, wurden weitergetragen.

Gleich danach reisten 35 französische Chorsänger, jeder auf seine Weise, nach Sarajevo, und trafen sich dort mit unseren Partnern zu musikalischen und menschlichen Momenten. Die Entdeckung der wechselhaften und leidvollen Geschichte dieses Landes mitten in Europa war für jeden eine unerwartet intensive Erfahrung.

Wie wird VoCE 2014-2018 weitergehen ?

Nach langer Suche fanden wir deutsche Partner, und so werden im Dezember 2014 sich alle Projektpartner zu  Planungsseminaren in Berlin finden können.  Die „Peace Summer Schools“ werden ihre Begegnungen in Berlin und Lublin in 2015 in derselben Zusammensetzung wie 2014 beraten und die Weiterführung mit neuen Partnern.

Die Chorvertreter vom Berliner Kammerchor, des Chores der Katholischen Universität Louvain-la-Neuve, Pontanima und Korona, Sarajevo,  ensemble20.21 und VOCALAM, Chambéry, sowie Cantilena, Wroçlaw. Wir hoffen auch auf Vertreter der Jeunesses Musicales, Budapest.

Die möglichen Verzweigungen und Verbindungen der einzelnen Wege werden Erörterung finden, sowie das gemeinsame Ziel einer europaweiten Schlussveranstaltung Ende 2018.

Im Mai und Juni 2015 werden sich die Chöre in Belgien (Dinant) und in Frankreich (Festival des Voix du Prieuré, au Bourget-du-Lac, Savoyen) wieder begegnen, mit der Möglichkeit, sich mit der Geschichte vor Ort vertraut zu machen. Die menschlichen und die künstlerischen Begegnungen werden sich gegenseitig befruchten.

Eine Vorbereitungsreise nach Rumänien wird Verbindungen zu Partnern in den kommenden Jahren aufnehmen.

Dank und Bitte

Wir danken unseren bisherigen Partnern und Unterstützern für ihr Vertrauen: Toepfer-Stiftung FvS, Hamburg; Deutsch-Französisches Jugendwerk,Berlin/Paris; Mission du Centenaire,Paris; OGB&H,Sarajevo; Volksbund/Dt.Kriegsgräberfürsorge,LVBerlin; Nowy Staw,Lublin; Dialogues en Humanité,Lyon; Stadt Grand Lyon; Auswärtiges Amt,Berlin.

Ein solches bürgerschaftliches Netzwerk aus künstlerischer Schöpfung, besonders aus Musik, zu knüpfen, auf der Grundlage von Erinnerungsarbeit an einen Krieg unter den beteiligten Partnern, bedeutet, Momente in Bleibendes, Spannungen in Tragendes zu wandeln. Darin liegt intensive Arbeit und langer Atem. Wenn diese internationale Initiative, die von europäischen Bürgern ausgeht, Sie interessiert, und Sie sie unterstützen möchten, wäre es uns wertvoll: Mitdenken, den Aufruf verbreiten und europäische Gesten des Gedenkens anregen; Themenmappen bereichern; finanzielle Unterstützung suchen und schenken (zum Beispiel sich an den Reisekosten für Chormitglieder beteiligen!); Dolmetscher – und Übersetzungsarbeiten; Kontakte in den Partnerländern….

Wir danken für Ihre Begleitung und würden uns freuen, wieder von Ihnen zu hören. Im Namen aller Mitstreitenden grüßt

Mascha Join-Lambert
Vors. Voix et Chemins d’Europe, VoCE
Ass. Loi 1901

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